Hundesport
KNPV, Mondioring und Ring: die Systeme im Vergleich
Ein PH 1 ist kein IGP 1, und ein Ring 3 ist wieder etwas anderes. Der Vergleich stellt die Regelwerke nebeneinander, ohne ihre Härte zu bewerten.
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Wer auf einem Papier ein PH 1 findet, hält kein IGP 1 in der Hand, und wer ein Ring 3 liest, hat wieder etwas anderes vor sich. Vier Regelwerke stehen nebeneinander, jedes mit einem eigenen Träger, einer eigenen Zugangsregel und einem eigenen Zuschnitt der Übungen. Dieser Vergleich stellt sie nebeneinander, benennt bei jedem die Stelle, aus der die Angaben stammen, und schreibt an den Stellen, an denen kein Regelwerk vorlag, ausdrücklich nichts.
Warum es vier Systeme statt einem gibt
Der Grund ist historisch und steht in einem der Regelwerke selbst. Das internationale Mondioring-Reglement der Fédération Cynologique Internationale beschreibt in seinem Vorwort, dass die Disziplin von Delegierten mehrerer Länder Europas und Amerikas geschaffen wurde, um Teile bereits bestehender nationaler Hundesportarten zu verbinden. Anders gesagt: die nationalen Systeme waren zuerst da, das internationale kam obendrauf. Wer heute vergleicht, vergleicht deshalb nicht drei Abweichungen von einer Norm, sondern vier Traditionen, die sich unabhängig voneinander entwickelt haben und erst spät aufeinander verwiesen wurden.
KNPV in den Niederlanden
Die Koninklijke Nederlandse Politiehond Vereniging besteht nach eigener Darstellung seit 1907 und vergibt Zertifikate, keine Titel im Sinne der internationalen Ordnung. Ihre Programme heißen Basis Surveillancehond, Politiehond 1, Politiehond 2, Objectbewakingshond und Speurhond. Das meistgeführte Programm ist Politiehond 1: es besteht aus drei Abteilungen, einem Vorprogramm mit Sprüngen über Hecke, Zaun und Grube sowie Folgen und Suchen, einem Wasserteil, in dem der Hund auf Kommando ein Gewässer durchschwimmt und einen Gegenstand aus dem Wasser apportiert, und einem dritten Teil mit dem Helfer, dem sogenannten Pakwerker. Politiehond 2 führt dieselben Aufgaben schwerer aus und arbeitet in der dritten Abteilung mit zwei Helfern. Für eine Prüfung muss man Mitglied der Vereinigung und eines anerkannten Vereins sein.
Das Speurhond-Programm ist ein eigener Zweig mit einem Basiszertifikat und darauf aufbauenden Disziplinen. Für das Zertifikat Speuren A arbeitet der Hund eine Spur von 700 Metern mit acht rechten Winkeln aus, verweist oder apportiert drei Gegenstände und zeigt am Ende einen großen Gegenstand an; die Spur ist zwei Stunden alt und liegt auf gleichbleibendem Untergrund. Für Speuren B sind es 1400 Meter, zehn Winkel, darunter ein spitzer und ein stumpfer, ein Bogen in einem der Schenkel, vier Gegenstände, drei Stunden Liegezeit, zwei Verleitungen und wechselnder Untergrund. Diese Zahlen zeigen besser als jede Wertung, dass hier eine andere Aufgabe gestellt wird als in der internationalen Fährtenarbeit.
Der belgische Ring und der Ring français
Hier endet, was dieses Magazin belegen kann. Für keines der beiden Ringsysteme lag am Tag der Redaktion ein zugängliches Regelwerk vor, aus dem sich Träger, Stufen und Übungsumfang hätten entnehmen lassen. Die Tabelle führt diese beiden Zeilen deshalb als nicht belegt, statt sie aus zweiter Hand zu füllen. Belegt ist nur, was das Mondioring-Reglement über sie voraussetzt: ein Hund, der im Ring geführt wird, darf in dem Niveau in Mondioring einsteigen, in dem er in seinem Heimatland im Ring startet. Daraus folgt, dass beide Systeme in Stufen gegliedert sind und dass die internationale Ordnung sie als vergleichbar genug ansieht, um eine Einstufung anzuerkennen. Alles Weitere folgt mit der nächsten datierten Revision dieser Seite.
| System | Land | Träger | Stufen | Schwerpunkt | Zugang für deutsche Teams |
|---|---|---|---|---|---|
| IGP | international | Fédération Cynologique Internationale, in Deutschland angewendet über den Dachverband | drei Stufen, je 100 Punkte in drei Abteilungen | Fährte, Unterordnung, Schutzdienst an einem Tag | Regelweg, Begleithundeprüfung vorausgesetzt |
| Mondioring | international | Fédération Cynologique Internationale | drei Stufen mit 200, 300 und 400 Punkten | Gehorsam, Sprünge, Schutzarbeit im wechselnden Aufbau | offen für jede Rasse mit anerkannter Ahnentafel ab zwölf Monaten |
| KNPV | Niederlande | Koninklijke Nederlandse Politiehond Vereniging | Zertifikate statt Stufen, unter anderem PH 1 und PH 2 | Praxisnähe, Wasserarbeit, Suche, Helferarbeit | Mitgliedschaft in der Vereinigung und einem anerkannten Verein nötig |
| Ring, belgisch und französisch | Belgien, Frankreich | nicht belegt | nicht belegt, gestuft laut Mondioring-Reglement | nicht belegt | nicht belegt |
Mondioring als internationale Klammer
Das FCI-Reglement, dessen zuletzt in Fettschrift ausgewiesene Änderungen der Vorstand am 20. August 2023 in Genf genehmigt hat, gliedert die Disziplin in drei Niveaus mit 200, 300 und 400 möglichen Punkten. Der Ablauf folgt in jedem Niveau derselben Reihenfolge: Gehorsam, Sprünge, Schutzarbeit. Zugelassen ist jede Rasse, sofern der Hund eine von der Fédération Cynologique Internationale anerkannte Ahnentafel besitzt, mindestens zwölf Monate alt ist und einen anerkannten Sozialverträglichkeitstest sowie ein Gesundheitsheft vorweisen kann. Der Aufstieg ist eng geregelt: vor dem dritten Niveau muss ein Hund zweimal mindestens 160 von 200 Punkten im ersten und zweimal mindestens 240 von 300 Punkten im zweiten Niveau erreicht haben. Der Helfer trägt einen Ganzkörperanzug, dessen Griff für den Hund mindestens 7 cm tief sein muss, mit einer Materialstärke im Fang zwischen 3 und 5 cm.
Merksatz
Zwischen diesen Systemen gibt es keine Umrechnung. Ein Zertifikat der niederländischen Vereinigung ist kein Titel der internationalen Ordnung, und keine Stelle rechnet das eine in das andere um.
Was ein deutsches Team praktisch braucht
Für den internationalen Regelweg ist die Begleithundeprüfung die Eintrittskarte, und der deutsche Dachverband hat das Zulassungsalter dafür nach seiner Information zum Stand April 2026 auf 15 Monate festgelegt. Für Mondioring genügt formal ein Jahr, dazu Ahnentafel, Sozialverträglichkeitstest und Gesundheitsheft, sowie ein Leistungsbuch der zuständigen Stelle des eigenen Landes. Für die niederländischen Zertifikate führt der Weg über die Mitgliedschaft: ohne Verein, der von der Vereinigung anerkannt ist, gibt es keine Meldung. Wer über die Grenze trainiert, arbeitet also nicht nur mit einem anderen Regelwerk, sondern auch mit einer anderen Vereinsstruktur.
Was sich nicht vergleichen lässt
Drei Dinge stehen in keinem der Texte und werden hier deshalb nicht behauptet. Erstens die Härte: kein Regelwerk misst Härte, und ein Vergleich der Strenge wäre eine Meinung im Gewand einer Auskunft. Zweitens die Übersetzung von Titeln: die Bezeichnungen bleiben in ihrer Ursprungssprache stehen, weil eine deutsche Entsprechung eine Gleichwertigkeit behaupten würde, die keine Stelle ausgesprochen hat. Drittens die Verbreitung: über Teilnehmerzahlen oder Länderrangfolgen liegt hier keine veröffentlichte Quelle vor.