Rasse und Herkunft
Farben und Haarkleid: der Atlas der vier Varietäten
Was der Standard Kohleanflug nennt, sieht auf dem Platz jedes Mal anders aus. Die Tafel zeigt die Kleider nebeneinander und benennt, was daran zur Norm gehört.
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Farbe ist bei dieser Rasse kein Geschmacksfach, sondern das Kriterium, an dem die vier Varietäten auseinandergehalten werden. Dieser Bildteil legt die Kleider nebeneinander und zitiert dazu, was der Rassestandard Nr. 15 der Fédération Cynologique Internationale in der deutschen Fassung von 2002 tatsächlich verlangt. Wo das Alltagsvokabular vom Wortlaut abweicht, steht beides.
Was der Standard über Farbe und Haarkleid sagt
Zwei Sätze gelten für alle vier. Erstens muss das Haar immer dicht, anliegend und von guter Textur sein und zusammen mit der Unterwolle einen Schutzmantel bilden; fehlt die Unterwolle ganz, ist das ein disqualifizierender Fehler. Zweitens ist bei allen Varietäten etwas Weiß an der Vorbrust und an den Zehen zulässig, während zu ausgedehnte weiße Abzeichen und Weiß, das über die halbe Höhe des Mittelfußes hinaus Socken bildet, disqualifizieren. Alles Weitere ist Sache der einzelnen Varietät.
Kurzhaar: der Malinois
Am Kopf, an den Außenflächen der Ohren und im unteren Bereich der Gliedmaßen ist das Haar sehr kurz, am übrigen Körper kurz, reichlicher an der Rute und um den Hals, wo es eine Halskrause bildet, die am Ohransatz beginnt und bis zur Kehle reicht. Die Hinterseite der Schenkel ist durch längeres Haar befedert, die Rute ist ährenförmig und bildet ausdrücklich keine Fahne. Die Farbe kennt keine Alternative: nur falbfarben mit schwarzer Wolkung und schwarzer Maske.
Langhaar falbfarben: der Tervueren
Der Tervueren trägt dasselbe lange Kleid wie der Groenendael, aber die Farbe des Malinois. Der Standard erlaubt hier zwei Varianten, falbfarben mit schwarzer Wolkung oder grau mit schwarzer Wolkung, jeweils mit schwarzer Maske, und stellt im selben Absatz klar, dass die falbfarbene Variante vorgezogen wird und Hunde anderer Nuancen nicht als vorzügliche Exemplare gelten können. Genau diese Stelle ist der Grund, warum graue Tervueren in Gesprächen ständig für Verwirrung sorgen: die Fehlerliste desselben Standards führt für diese Varietät graue Farbe als Fehler auf. Der Text lässt die Farbe zu und bestraft sie in der Bewertung.
Langhaar schwarz: der Groenendael
Hier ist die Vorschrift die kürzeste der vier: nur einfarbig schwarz. Das lange Haar ist am Kopf, an den Ohraußenseiten und unten an den Läufen kurz, ansonsten lang und glatt, bildet Mähne und Schürze am Hals und an der Vorbrust, sogenannte Hosen an der Hinterseite der Schenkel und eine Fahne an der Rute. Ein roter Schimmer im schwarzen Haar und graue Hosen gelten als Fehler.
Rauhaar: der Laekenois
Kennzeichnend ist die harte und trockene Beschaffenheit des Haars, das zerzaust ist und bei Berührung gleichsam knistert. Die Länge beträgt überall am Körper etwa 6 cm und ist auf dem Nasenrücken, an der Stirn und an den Gliedmaßen kürzer. Um die Augen und am Fang darf das Haar die Form des Kopfes nicht verbergen, ein guter Haarbewuchs am Fang muss aber vorhanden sein. Die Farbe ist falbfarben mit Spuren von schwarzer Wolkung, hauptsächlich am Fang und an der Rute; die Rute darf keine Fahne bilden.
Maske, Kohleanflug und was daran zur Norm gehört
Was im Gespräch Kohleanflug heißt, nennt der Standard schwarze Wolkung: schwarz gefärbte Haarspitzen, die die Grundfarbe dunkler schattieren. Diese Abtönung soll stets wie angehaucht wirken und darf nie in Form großer Platten oder echter Streifen auftreten. Für die Maske gibt es ein Minimum, das man an einem stehenden Hund nachzählen kann: die Haut muss an mindestens sechs Stellen schwarz pigmentiert sein, an beiden Ohren, an beiden oberen Augenlidern sowie an Ober- und Unterlippe. Gewünscht ist mehr, nämlich eine einheitliche schwarze Fläche, die Lippen, Lippenwinkel und Augenlider umschließt. Fehlt die Maske bei Tervueren oder Malinois ganz, ist das kein Schönheitsfehler, sondern ein disqualifizierender.
Was auf einer Zuchtschau beurteilt wird
Die vier Varietäten werden gesondert gerichtet, und jede ist zur Erlangung der internationalen Anwartschaften und der entsprechenden Reserveauszeichnungen berechtigt. Beurteilt wird der Hund gegen den Standard, nicht gegen die anderen Hunde des Rings, und zwar im Stand in natürlicher Stellung ohne körperlichen Kontakt mit dem Vorführer. Eine Bemerkung des deutschen Rechts gehört dazu: die Tierschutz-Hundeverordnung verbietet in ihrem Paragraphen 10, Hunde auszustellen, bei denen Ohren oder Rute tierschutzwidrig amputiert worden sind, und das gilt auch für sonstige Veranstaltungen, bei denen Hunde verglichen oder beurteilt werden. Der Standard selbst disqualifiziert künstlich aufgerichtete Ohren und eine kupierte Rute ohnehin.
Drei Irrtümer, die sich halten
- Eine dunklere Wolkung sei ein Zeichen für Arbeitsleistung. Der Standard verbindet Farbe an keiner Stelle mit einer Eignung.
- Grau sei bei dieser Rasse eine seltene Sonderfarbe. Grau mit schwarzer Wolkung ist bei einer Varietät im Text ausdrücklich genannt und wird dort zugleich zurückgestuft.
- Ein wenig Weiß an der Brust sei immer ein Ausschluss. Zulässig ist es an Vorbrust und Zehen; erst Ausdehnung und Lage machen daraus einen schweren oder disqualifizierenden Fehler.