Rasse und Herkunft
Malinois oder Deutscher Schäferhund: der Vergleich
Zwei Gebrauchshunde, zwei Standards, zwei Arbeitsweisen. Der Vergleich bleibt bei dem, was in den Standards steht und was auf dem Platz nachprüfbar ist.
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Diese Frage bringt mehr Leser in die Rubrik Rasse als jede andere, und sie wird meistens mit Temperament beantwortet. Nachprüfbar sind aber zuerst die beiden Standards, und die sagen erstaunlich viel. Verglichen werden hier der Standard Nr. 15 in der deutschen Fassung vom 05.06.2002 und der Standard Nr. 166 in der deutschen Fassung vom 23.12.2010, beide herausgegeben von der Fédération Cynologique Internationale. Alles, was in keinem der beiden Texte steht, wird als solches gekennzeichnet.
Zwei Standards, zwei Baupläne
Beide Rassen stehen in derselben Schublade der Nomenklatur: Gruppe 1, Sektion 1, Schäferhunde, mit Arbeitsprüfung. Der erste Unterschied steht schon im allgemeinen Erscheinungsbild. Der Belgier hat laut Standard ein quadratisches Gebäude, seine vom Buggelenk zum Sitzbeinhöcker gemessene Körperlänge entspricht ungefähr der Widerristhöhe. Der Deutsche Schäferhund ist im eigenen Standard mittelgroß und leicht gestreckt, seine Rumpflänge übertrifft die Widerristhöhe um etwa 10 bis 17 Prozent. Ein Quadrat und ein Rechteck: das ist keine Nuance, sondern der Grund für zwei verschiedene Gangbilder.
| Merkmal | Belgischer Schäferhund | Deutscher Schäferhund |
|---|---|---|
| Einordnung | Gruppe 1, Sektion 1, mit Arbeitsprüfung | Gruppe 1, Sektion 1, mit Arbeitsprüfung |
| Gebäude | quadratisch, Körperlänge etwa gleich der Widerristhöhe | leicht gestreckt, Rumpflänge 10 bis 17 Prozent über der Widerristhöhe |
| Widerristhöhe Rüden | im Durchschnitt 62 cm, Toleranz 2 cm nach unten und 4 cm nach oben | 60 bis 65 cm |
| Widerristhöhe Hündinnen | im Durchschnitt 58 cm, gleiche Toleranz | 55 bis 60 cm |
| Gewicht | ungefähr 25 bis 30 kg, Hündinnen 20 bis 25 kg | 30 bis 40 kg, Hündinnen 22 bis 32 kg |
| Oberlinie | Rücken und Lenden gerade, Kruppe nur sehr leicht schräg | gerader Rücken, Kruppe lang und leicht abfallend, etwa 23 Grad zur Horizontalen |
| Haarkleid | vier Varietäten nach Haar und Farbe, Lang-, Kurz- und Rauhhaar | Stockhaar und Langstockhaar |
| Verwendung im Standard | ursprünglich Schäferhund, heute Gebrauchs- und Diensthund, auch Familienhund | vielseitiger Gebrauchs-, Hüte- und Dienstgebrauchshund |
Größe, Gewicht und Rückenlinie
Die Tabelle zeigt eine Regelmäßigkeit, die im Gespräch oft untergeht: die beiden Rassen sind fast gleich hoch, aber nicht gleich schwer. Zehn Zentimeter Unterschied gibt es nicht, wohl aber eine Gewichtsspanne, die sich bei den Rüden kaum überschneidet. Der Belgier ist im Standard trocken bemuskelt und kraftvoll ohne Schwere beschrieben, mit einer Brust, die nicht breit ist, aber tief bis auf Ellenbogenhöhe hinabreicht. Wer die beiden nebeneinander stellt, sieht darum weniger einen Größenunterschied als einen Unterschied im Volumen.
Bewegung und Ausdauer
Aus dem Bauplan folgt das Gangwerk, und hier beschreiben die Standards zwei verschiedene Ideale. Der Standard des Deutschen Schäferhundes verlangt bei korrekten Verhältnissen ein raumgreifendes, flach über den Boden gehendes Gangwerk und beschreibt ausführlich die durchgehende Rückenlinie im Trab. Der Standard des Belgiers hält es kürzer und wertet gehemmte, kurztrittige Bewegung mit zu wenig Schub als Fehler. Was daraus über Ausdauer im Training folgt, steht in keinem der beiden Texte, und dieses Magazin schreibt es deshalb nicht auf.
Arbeitsweise im Sport
Beide Rassen werden nach demselben Regelwerk geprüft, und die Ordnung kennt keine Rassespalte. Ein Prüfungstag verlangt von jedem Team dieselbe Fährte, dieselbe Unterordnung und dieselbe Abteilung im Schutzdienst, und ein Richter bewertet die gezeigte Leistung, nicht die Rasse, die sie zeigt. Unterschiede im Trainingsaufbau, die Ausbilder zwischen den Rassen beschreiben, gehören in die Erfahrung einzelner Menschen und sind hier keine Quelle.
Merksatz
Beide Standards beschreiben einen Gebrauchshund und keinen von beiden als gefährlich. Wer eine Rasse für schärfer hält als die andere, vergleicht Linien und einzelne Hunde, nicht Rassen.
Alltag im Haushalt
Der Standard des Belgiers nennt die Rasse ausdrücklich auch Familienhund und beschreibt sie als wachsam und rege, von übersprudelnder Lebhaftigkeit und stets aktionsbereit, mit gefestigten Charaktereigenschaften, die weder Angst noch Aggressivität kennen. Der Standard des Deutschen Schäferhundes verlangt ein ausgeglichenes, nervenfestes, selbstsicheres und außerhalb einer Reizlage gutartiges Wesen. Zwei nüchterne Beschreibungen, die beide keinen Hund für die Abstellkammer meinen. Was ein solcher Hund in einem Haushalt braucht, ist eine Frage der Bedingungen und nicht der Rasse.
Welcher Hund zu welchem Halter passt
Die ehrliche Antwort verschiebt die Frage. Innerhalb beider Rassen trennt die Zuchtrichtung stärker als die Rasse selbst: ein leistungsorientiert gezogener Hund unterscheidet sich von einem ausstellungsorientiert gezogenen Hund derselben Rasse oft deutlicher als zwei Hunde verschiedener Rassen aus vergleichbaren Linien. Wer vor der Anschaffung steht, sollte deshalb nicht zuerst die Rasse wählen, sondern klären, welchen Alltag er anbieten kann und welche Linie dazu passt.
Was der Vergleich nicht beantwortet
Er sagt nichts über Gesundheit im Einzelfall, nichts über Lebenserwartung und nichts über die Frage, welche Rasse in Diensthundestaffeln häufiger vorkommt: dazu liegt diesem Magazin keine veröffentlichte Zahl vor, und eine geschätzte wäre keine. Er sagt auch nichts über Charakter im Einzelnen, denn ein Standard beschreibt ein Zuchtziel und keine Garantie. Und er ordnet die beiden Rassen nicht in eine Rangfolge, weil zwei Standards sich nicht gegeneinander verrechnen lassen.