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MalinoisJournal

Hundesport

Ablauf einer IGP-Prüfung: Abteilung A, B und C

Eine IGP-Prüfung ist ein Tag in drei Teilen. Wer weiß, was in welcher Reihenfolge verlangt wird, liest ein Ergebnisblatt zum ersten Mal ohne Übersetzer.

Kurzhaariger falbfarbener Malinois mit schwarzer Maske und aufrecht dreieckigen Ohren arbeitet mit tiefer Nase an langer Leine eine Fährte über einen abgeernteten Acker im Morgennebel
Die Fährtenarbeit steht am Anfang des Prüfungstages und wird abseits des Platzes abgenommen, auf einer Fläche, die für jedes Team einzeln gelegt wird.
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  1. Was IGP heißt und wer die Ordnung erlässt
  2. Die Voraussetzung: BH/VT vor allem anderen
  3. Abteilung A: die Fährte
  4. Abteilung B: die Unterordnung
  5. Abteilung C: der Schutzdienst
  6. Von IGP 1 zu IGP 3: was sich in jeder Stufe ändert
  7. Wie ein Ergebnisblatt gelesen wird
  8. Häufige Missverständnisse

Wer zum ersten Mal auf einem Prüfungstag steht, sieht drei sehr verschiedene Veranstaltungen, die alle demselben Ergebnisblatt zuarbeiten: ein Team auf einem Acker, ein Team auf dem Platz und ein Team mit einem Helfer. Das ist keine Improvisation, sondern der festgelegte Aufbau einer Gebrauchshundeprüfung. Dieser Beitrag geht den Tag in der Reihenfolge durch, in der er tatsächlich abläuft, und erklärt am Ende, wie das Blatt zu lesen ist, das das Team nach Hause trägt.

Was IGP heißt und wer die Ordnung erlässt

IGP steht für die international geregelte Gebrauchshundeprüfung. Verbindlich ist dafür die Internationale Gebrauchshunde-Prüfungsordnung der Fédération Cynologique Internationale; für die Anwendung in Deutschland kommt die jeweils geltende Fassung hinzu, die der Verband für das Deutsche Hundewesen bekannt gibt. Beide Texte sind veröffentlicht, und beide werden von Zeit zu Zeit überarbeitet. Genau das ist der Grund, warum die Bezeichnung im Lauf der Jahrzehnte gewechselt hat: aus der Schutzhundeprüfung wurde die Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde, daraus die internationale Prüfungsordnung, daraus die heutige Bezeichnung. Die Buchstaben auf einer alten Ahnentafel beschreiben also nicht zwangsläufig eine andere Leistung, sondern oft nur eine andere Fassung derselben Ordnung. Wer die Reihenfolge der Namen kennt, liest ein Papier aus den neunziger Jahren richtig. Die Kürzel selbst stehen mit ihrer Langform im Register dieses Magazins.

Die Voraussetzung: BH/VT vor allem anderen

Vor der ersten Stufe steht die Begleithundeprüfung mit Verkehrsteil. Sie ist keine Vorstufe im sportlichen Sinn, sondern eine Zugangsvoraussetzung: ohne sie wird ein Team zu den Prüfungsstufen nicht zugelassen. Geprüft werden Grundgehorsam und das Verhalten des Hundes in Alltagslagen, also unter Menschen, im Verkehr und in Begegnungen. Der Gedanke dahinter ist einfach und lohnt es, ausgesprochen zu werden: ein Hund, der sich im Alltag nicht führen lässt, hat auf einem Platz mit fremden Menschen und fremden Hunden nichts verloren, und zwar unabhängig davon, wie gut er arbeitet.

Abteilung A: die Fährte

Der Tag beginnt meist im Feld. Die Fährte wird abseits des Platzes gelegt und muss vor der Arbeit eine bestimmte Zeit stehen; erst dann wird das Team geschickt. Der Hund arbeitet an der langen Leine oder frei, folgt der Spur mit tiefer Nase und zeigt die ausgelegten Gegenstände an. Bewertet wird nicht die Geschwindigkeit, sondern die Sicherheit und die Ruhe, mit der die Spur gehalten wird, und die Art, in der ein Gegenstand angezeigt wird. Länge und Alter der Fährte sowie die Zahl der Gegenstände sind für jede Stufe festgelegt und steigen mit ihr an. Dass diese Abteilung zuerst kommt, hat einen praktischen Grund: sie braucht Fläche, Tau und Zeit, und beides ist am Morgen leichter zu haben.

Abteilung B: die Unterordnung

Auf dem Platz folgt die Unterordnung. Sie besteht aus einer festen Folge von Übungen, die in der Ordnung einzeln beschrieben sind: Gehen bei Fuß mit Richtungswechseln und in einer Gruppe, Positionen aus der Bewegung, Abrufen, Bringen über den Boden, über die Hürde und über die Schrägwand, Voraussenden mit Ablegen und das Ablegen unter Ablenkung, während das nächste Team arbeitet. Jede Übung hat eine eigene Wertung, und jede wird gegen dieselbe Beschreibung gerichtet, nicht gegen den Eindruck des Tages. Der Ablauf ist deshalb bis zur Reihenfolge hin vorgegeben; wer eine Übung auslässt, verliert deren Wertung.

Abteilung C: der Schutzdienst

Die dritte Abteilung wird von außen am häufigsten missverstanden. Sie ist eine geregelte Übungsfolge mit einem ausgebildeten Helfer und festgelegtem Material, kein Training auf Aggression. Der Hund revidiert Verstecke, stellt den Helfer und meldet ihn, bewacht, folgt einer Flucht, lässt auf Kommando ab und bleibt anschließend beim Helfer, ohne ihn erneut zu greifen. Bewertet werden Führigkeit und Kontrolle mindestens so stark wie der Einsatz: das Ablassen auf das erste Kommando und die Ruhe in der Bewachung sind Wertungspunkte, kein Beiwerk. Das Material, das der Helfer trägt, ist in der Ordnung beschrieben; welches Teil wofür gebaut ist, behandelt dieses Magazin gesondert.

Von IGP 1 zu IGP 3: was sich in jeder Stufe ändert

Es gibt drei Stufen. Der Aufbau des Tages bleibt in allen dreien gleich, der Umfang wächst: die Fährte wird länger und älter, sie enthält mehr Gegenstände, die Unterordnung nimmt Übungen auf und lässt Hilfen weg, der Schutzdienst gewinnt Abschnitte hinzu. Wer eine Stufe bestanden hat, tritt zur nächsten an; übersprungen wird nicht. Für jede Abteilung ist außerdem eine Mindestpunktzahl vorgeschrieben, die erreicht sein muss, damit die Prüfung als bestanden gilt. Ein Team kann also in einer Abteilung glänzen und trotzdem durchfallen, wenn eine andere unter ihrer Schwelle bleibt.

Die drei Abteilungen im Überblick, Revision vom 02.09.2026
AbteilungInhaltHöchstpunktzahlBewertungsstufen
AFährtenarbeit im Gelände, Anzeigen der Gegenstände100 Punkte, davon 21 auf die drei Gegenständevorzüglich 100 bis 96, sehr gut 95 bis 90, gut 89 bis 80, befriedigend 79 bis 70, mangelhaft darunter
BUnterordnung auf dem Platz, feste Übungsfolge100 Punktegleiche Staffelung wie in Abteilung A
CSchutzdienst mit Helfer, Revier, Stellen, Ablassen100 Punktegleiche Staffelung wie in Abteilung A

Die Werte dieser Tabelle stammen aus der Internationalen Gebrauchshunde-Prüfungsordnung der Fédération Cynologique Internationale in der Fassung von 2019, die ab dem 01.01.2019 gilt und um die im September 2020 genehmigten Änderungen ergänzt ist. Dort ordnet eine Punktetabelle jeder Höchstpunktzahl ihre fünf Wertnoten zu; in Prozent gerechnet bedeutet vorzüglich mindestens 96 Prozent der Höchstpunktzahl, sehr gut 95 bis 90 Prozent, gut 89 bis 80, befriedigend 79 bis 70, mangelhaft alles darunter. Zwei Feinheiten gehören dazu. Erstens werden Einzelübungen mit Teilpunkten bewertet, das Ergebnis einer ganzen Abteilung dagegen auf volle Punkte gerundet. Zweitens tragen diese Wertnoten dieselben Wörter wie die Formwertnoten einer Zuchtschau, ohne dasselbe zu messen: die einen bewerten eine Leistung, die anderen den Bau des Hundes gegen den Standard.

Aus derselben Punktetabelle folgt die Schwelle, an der ein Prüfungstag scheitert oder gelingt. Für den Aufstieg in die nächsthöhere Stufe verlangt die Ordnung in jeder Sparte mindestens die Bewertung befriedigend, also 70 Prozent der Höchstpunktzahl. Wer in zwei Abteilungen glänzt und in der dritten unter dieser Marke bleibt, hat die Stufe nicht abgeschlossen, auch wenn die Summe von 300 möglichen Punkten stattlich aussieht. Zur Prüfungsstufe 1 wird ein Hund nach derselben Ordnung frühestens mit 18 Monaten zugelassen, zur Stufe 2 mit 19 und zur Stufe 3 mit 20 Monaten, und vor allem diesen Stufen steht die Begleithundeprüfung.

Merksatz

Ein Titel belegt eine Leistung an einem Tag, unter einem Richter, nach einer bestimmten Fassung der Ordnung. Er belegt weder Zuchttauglichkeit noch Diensteignung: dafür gibt es andere Verfahren mit anderen Prüfern.

Wie ein Ergebnisblatt gelesen wird

Auf dem Blatt stehen die drei Abteilungen untereinander, jede mit ihrer Wertung, dazu die Gesamtwertung und die Angabe, ob die Prüfung bestanden wurde. Wichtig ist die Reihenfolge des Lesens: zuerst die Stufe, dann die einzelnen Abteilungen, erst danach die Summe. Eine hohe Summe mit einer schwachen Abteilung erzählt etwas ganz anderes als eine mittlere Summe mit drei gleichmäßigen Wertungen, und für die Beurteilung eines Hundes ist die zweite Verteilung meist die aussagekräftigere. Auf einer Ahnentafel taucht später nur noch das Kürzel mit der Stufe auf, ohne die Verteilung: wer die Verteilung wissen will, muss das Blatt sehen.

Häufige Missverständnisse

Drei halten sich besonders hartnäckig. Erstens die Vorstellung, die dritte Abteilung mache einen Hund scharf; sie ist eine Übungsfolge mit Kontrollanteilen, und das Ablassen auf das erste Kommando ist Teil der Wertung. Zweitens die Annahme, ein IGP 3 sei mit einem Zertifikat aus einem anderen System gleichzusetzen; die Systeme haben verschiedene Träger, verschiedene Regelwerke und verschiedene Schwerpunkte, und keine Umrechnung dazwischen. Drittens die Gleichsetzung von Titel und Zuchtzulassung: ein sportlicher Titel kann in einer Zuchtordnung als Bedingung stehen, ersetzt aber keines der Verfahren, die eine Zuchtzulassung ausmachen.