Erziehung
Ist der Malinois ein Familienhund? Eine ehrliche Antwort
Die Antwort ist weder ja noch nein, sondern eine Liste von Bedingungen. Wer sie erfüllt, bekommt einen großartigen Hund; wer nicht, ein Problem.
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Diese Frage wird in zwei Lagern beantwortet, und beide Antworten sind falsch. Die eine sagt, die Rasse gehöre nicht in eine Familie. Die andere sagt, mit genug Beschäftigung gehe alles. Nachprüfbar ist etwas Drittes: der Rassestandard beschreibt, was für ein Hund gemeint ist, und eine Bundesverordnung beschreibt, was jeder Halter mindestens leisten muss. Zwischen diesen beiden Texten liegt die ehrliche Antwort.
Die Frage hinter der Frage
Wer fragt, ob ein Hund familientauglich ist, fragt meistens nach etwas anderem: ob er neben einem Vollzeitjob, zwei Kindern und einer Wohnung im dritten Stock zurechtkommt, ohne die Wohnung auseinanderzunehmen. Das ist eine Frage nach Bedingungen, nicht nach Charakter. Und Bedingungen lassen sich prüfen, bevor ein Hund einzieht.
Was der Standard über das Wesen sagt
Er nennt die Rasse in der Verwendung ausdrücklich auch Familienhund, aber er beschreibt sie im selben Text als wachsam und rege, von übersprudelnder Lebhaftigkeit und stets aktionsbereit. Er nennt neben den Fähigkeiten am Vieh die Eigenschaften eines sehr guten Wächters für Haus und Hof und hält fest, der Hund verteidige seinen Herrn ohne Zögern hartnäckig und leidenschaftlich. Verlangt sind gefestigte Charaktereigenschaften, die weder Angst noch Aggressivität kennen. Wer diesen Absatz zweimal liest, hat die Antwort schon: gemeint ist ein Hund mit Wachtrieb und hoher Aktionsbereitschaft, der in einem Haushalt lebt und nicht in ihm geparkt wird.
Was ein Arbeitshund im Haushalt braucht
Die Tierschutz-Hundeverordnung setzt den Boden für alle Hunde und liest sich bei dieser Rasse wie eine Mindestbeschreibung des Alltags. Sie verlangt ausreichend Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers, mehrmals täglich in ausreichender Dauer Umgang mit der Betreuungsperson und regelmäßigen Kontakt zu Artgenossen, und sie schreibt vor, dass Auslauf und Sozialkontakte der Rasse, dem Alter und dem Gesundheitszustand anzupassen sind. Die Anbindehaltung ist verboten, mit einer engen Ausnahme für die Begleitung durch eine Betreuungsperson während der Tätigkeit, für die der Hund ausgebildet wird. Stachelhalsbänder und andere für den Hund schmerzhafte Mittel sind bei Ausbildung, Erziehung und Training verboten.
| Bedingung | Was das im Alltag bedeutet | Woran man scheitert |
|---|---|---|
| Tägliche Arbeit für den Kopf | Suchen, Lernen, Trainingsaufgaben mit klarem Anfang und Ende | Ersatz durch reine Bewegung, die den Hund nur fitter macht |
| Geübte Ruhe | Ruhe wird trainiert wie jede andere Übung, mit Ort und Signal | ständige Verfügbarkeit von Reizen, kein abgeschlossener Tag |
| Alleinbleiben in kleinen Schritten | früh begonnen, kurz gehalten, langsam verlängert | erster langer Alleinlassversuch am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub |
| Sozialkontakte | regelmäßiger Umgang mit Artgenossen, wie die Verordnung ihn verlangt | Isolation im eigenen Garten, weil Begegnungen anstrengend sind |
| Ein Verein oder eine Gruppe | Anleitung von außen, gemeinsame Termine, geübte Umgebung | Alleingang mit Videos als einziger Quelle |
Unter welchen Bedingungen es funktioniert
Es funktioniert, wenn der Hund eine Aufgabe hat, die sich jeden Tag wiederholt, wenn Ruhe genauso geübt wird wie Arbeit, wenn mindestens eine erwachsene Person die Führung übernimmt und wenn Kinder wissen, was sie dürfen und was nicht. Es funktioniert auch in einer Wohnung, sofern der Tag Struktur hat. Was nicht funktioniert, ist die Erwartung, ein Wachtrieb lasse sich abschalten, weil es gerade unpassend ist.
Merksatz
Nicht die Menge der Bewegung entscheidet, sondern die Struktur des Tages. Ein Hund, der drei Stunden rennt und danach nicht abschalten kann, hat mehr Training bekommen und weniger Ruhe gelernt.
Woran es typischerweise scheitert
An vier Punkten, und keiner davon ist der Charakter des Hundes. Erstens an der Ruhe, die nie geübt wurde. Zweitens am Alleinbleiben, das zu spät begonnen wurde. Drittens an der Pubertät, in der viele Halter aufgeben, weil sie das Verhalten als Rückschritt lesen. Viertens an der Umgebung: ein Hund mit Wachtrieb in einem Haushalt mit ständigem Publikumsverkehr ist rund um die Uhr im Dienst und kommt nicht zur Ruhe.
Kinder, Besuch und der Wachtrieb
Der Standard beschreibt einen Hund, der Haus und Hof bewacht und seinen Menschen ohne Zögern verteidigt. In einem Haushalt heißt das erstens, dass Ankommen und Klingeln geübte Situationen sein müssen und keine täglichen Überraschungen, und zweitens, dass ein Hund einen Ort braucht, an dem er nicht zuständig ist. Für Kinder folgen daraus zwei Regeln, die sich nicht verhandeln lassen: der Ruheplatz des Hundes ist tabu, und kein Kind übernimmt die Führung eines solchen Hundes im Freien. Das ist keine Aussage über die Gefährlichkeit der Rasse, sondern über Größe, Tempo und Kraft eines Tieres von rund 25 bis 30 Kilogramm, das in vollem Lauf die Richtung wechselt.
Die anderen drei Varietäten
Der Standard beschreibt das Wesen für alle vier Varietäten gemeinsam; einen ruhigeren Belgier gibt es dort nicht. Unterschiede im Alltag, die Halter zwischen den Varietäten beschreiben, sind in keiner der hier benutzten Quellen belegt und werden deshalb nicht behauptet. Was die Antwort dagegen nachweislich verschiebt, ist die Zuchtrichtung innerhalb der Rasse.
Wenn die Antwort nein lautet
Dann ist das kein Urteil über die Rasse und keines über den Fragenden. Es bedeutet nur, dass die Bedingungen gerade nicht zusammenpassen, und Bedingungen ändern sich. Dieses Magazin empfiehlt keine andere Rasse als vermeintlich einfachere Lösung, vermittelt keine Hunde und nennt keine Zuchtstätte. Es empfiehlt, die fünf Zeilen der Tabelle oben ehrlich durchzugehen, bevor jemand fährt, um sich einen Welpen anzusehen.