Rasse und Herkunft
Herkunft des Belgischen Schäferhundes seit 1891
Die Rasse ist jünger als ihr Ruf und älter als ihr Sport: der Weg vom belgischen Hütehund zur normierten Rasse, aus der veröffentlichten Überlieferung.
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Die Geschichte dieser Rasse lässt sich ungewöhnlich genau erzählen, weil sie von Anfang an protokolliert wurde. Der Rassestandard der Fédération Cynologique Internationale führt sie unter der Nummer 15 und stellt seiner Beschreibung einen kurzen geschichtlichen Abriss voran. Dieser Beitrag folgt diesem Abriss, benennt die Jahreszahlen, die dort stehen, und sagt an den Stellen, an denen der Text schweigt, dass er schweigt.
Belgische Hütehunde vor der Rasse
Noch zum Ende des 18. Jahrhunderts, so der Standard, gab es in Belgien eine große Anzahl Hüte- und Treibhunde von vielfältigem Typ und mit sehr unterschiedlichem Haarkleid. Das ist kein Nebensatz, sondern die eigentliche Ausgangslage: es existierte kein einheitlicher Hund, sondern eine Landschaft von Schlägen, die nach Arbeit ausgelesen wurden und nach nichts sonst. Wer heute über Varietäten streitet, streitet über die Ordnung, die man dieser Vielfalt nachträglich gegeben hat.
1891: die Bestandsaufnahme und der erste Klub
Offiziell entstand die Rasse laut Standard zwischen 1891 und 1897. Zwei Daten aus diesem Zeitraum sind dort festgehalten. Am 29. September 1891 wurde in Brüssel der belgische Schäferhundeklub gegründet. Am 15. November desselben Jahres organisierte ein Dozent der veterinärmedizinischen Schule in Cureghem ein Treffen, an dem 117 Hunde teilnahmen; diese Zusammenkunft erlaubte eine Bestandsaufnahme und die Auslese der besten Vertreter. In den folgenden Jahren, hält der Standard fest, erfolgte eine strenge Selektion unter Verwendung von nur wenigen, eng blutsverwandten Zuchtrüden. Wer wissen will, warum genetische Vielfalt bei dieser Rasse ein Thema mit Geschichte ist, findet hier den Anfang der Antwort.
Wie aus einem Schlag vier Varietäten wurden
Am 3. April 1892 stellte der Klub bereits einen ersten sehr ausführlichen Standard auf. Anerkannt wurde eine einzige Rasse mit drei Haar-Varietäten. Erst die Farbe teilte diese drei Haartypen in die vier Varietäten, die heute gerichtet werden: das lange Haar trennt sich in eine schwarze und eine falbfarbene Linie, das kurze und das rauhe Haar bleiben je für sich. In das Zuchtbuch der belgischen Dachgesellschaft kamen die ersten Hunde erst 1901, denn der belgische Schäferhund galt, wie der Standard es formuliert, als Hund für bescheidene Leute, als Rasse ohne Ansehen. Um 1910 waren Typ und Charakter nach derselben Quelle fixiert.
| Varietät | Haarkleid nach Standard | Herkunft des Namens | Erste Festschreibung |
|---|---|---|---|
| Groenendael | Langhaar, einfarbig schwarz | im Standard nicht erläutert | Haartyp Langhaar im Standard vom 03.04.1892 |
| Tervueren | Langhaar, falbfarben mit schwarzer Wolkung und schwarzer Maske | im Standard nicht erläutert | Haartyp Langhaar im Standard vom 03.04.1892 |
| Malinois | Kurzhaar, falbfarben mit schwarzer Wolkung und schwarzer Maske | im Standard nicht erläutert | Haartyp Kurzhaar im Standard vom 03.04.1892 |
| Laekenois | Rauhhaar, falbfarben mit Spuren schwarzer Wolkung | im Standard nicht erläutert | Haartyp Rauhhaar im Standard vom 03.04.1892 |
Woher die Namen der Varietäten kommen
Hier endet die belegbare Auskunft, und das gehört in einen Beitrag über Herkunft hinein. Der Standard nennt die vier Namen, erklärt sie aber nicht. Dass sie nach belgischen Orten klingen, ist die überall geführte Lesart, und sie ist plausibel; ein Beleg dafür steht in der hier benutzten Fassung des Standards nicht. Dieses Magazin schreibt deshalb keine Namensdeutung als Tatsache auf und trägt sie nach, sobald sie in einer zitierbaren Quelle liegt. Die Tabelle oben hält diese Lücke offen, statt sie mit einer hübschen Geschichte zu füllen.
Vom Hütehund zum Diensthund
Der Standard beschreibt die Verwendung der Rasse in zwei Zeitstufen: ursprünglich Schäferhund, heute Gebrauchshund und polyvalenter Diensthund, ausdrücklich auch Familienhund. In der Nomenklatur steht sie in Gruppe 1, Sektion 1, bei den Schäferhunden, und zwar mit Arbeitsprüfung. Diese drei Wörter sind der Übergang, um den es hier geht: eine Rasse mit Arbeitsprüfung wird nicht allein nach Aussehen beurteilt, sondern muss ihre Eignung in einem geregelten Verfahren zeigen. Aus dem Hüter der Herde wurde damit ein Hund, dessen Zuchtwert an einem Prüfungstag mitentschieden wird.
Merksatz
Die vier Varietäten sind eine Ordnung nach Haarkleid und Farbe, nicht nach Bauplan. Der Standard beschreibt für alle vier denselben Hund und unterscheidet sie erst im Kapitel über das Haar.
Was an der Überlieferung strittig ist
Der Standard selbst benennt den Streit. Die Frage der zulässigen Varietäten und Farben sei stets umstritten gewesen, heißt es dort; hinsichtlich Morphologie, Charakter und Gebrauchstüchtigkeit habe es dagegen nie unterschiedliche Auffassungen gegeben. Diese eine Zeile erklärt mehr als jede Anekdote: gestritten wurde über die Sichtbarkeit, nicht über den Hund. Sichtbar wird das bis heute in einer Regel, die im selben Text steht: Paarungen zwischen Hunden verschiedener Varietäten sind verboten, Ausnahmen können nur die zuständigen nationalen Zuchtkommissionen erteilen. Vier Varietäten bedeuten damit auch vier getrennt geführte Populationen.
Was dieser Beitrag nicht behauptet
Er nennt keine Gründerpersönlichkeit beim Namen, weil die Auslese der frühen Jahre das Werk eines Klubs war und dieses Magazin grundsätzlich keine Personen führt. Er nennt keine Zuchtstätte, keinen Hund und kein Jahr, das nicht im Standard steht. Und er rechnet die Geschichte nicht in eine Empfehlung um: dass eine Rasse aus wenigen Rüden hervorging, ist eine Tatsache über 1891, keine Aussage über einen Wurf von heute.